Was ist Gestalttherapie?

Wir arbeiten in den Sitzungen mit dem, was sich aktuell zeigt. Dabei gehen wir exakt von dem aus, was dein individuelles Anliegen ist. Natürlich kann es innerhalb dieses Prozesses sein, dass alte Erinnerungen, z.B. aus der Kindheit auftauchen - dann beziehen wir diese selbstverständlich als Wurzeln des heutigen Erlebens mit ein. Die Gestalttherapie ist eine Therapieform, die eine breite Klaviatur von Möglichkeiten hat. Kunsttherapeutische Aspekte, wie das Formen von Ton oder das Arbeiten mit Farben können einbezogen werden. Der Name „Gestalt“therapie bezieht sich jedoch nicht auf das Gestalten mit Materialien, sondern hat seinen Hintergrund in der Gestaltpsychologie, die sich mit den Gegebenheiten menschlicher Wahrnehmung beschäftigt. Das weist uns darauf hin, dass wir in der Gestalttherapie von der Wahrnehmung, vom Phänomenologischen ausgehen. Das feine Wahrnehmen aller Phänomene des körperlich-geistigen Erlebens im Hier und Jetzt sind das Tor zu einem vertieften Verständnis des eigenen Daseins in der Welt. Wenn ich aufmerksam werde und wahrnehme, WIE ich handle, fühle, interpretiere, reagiere, dann kann es mir gelingen, einfach einen Schalter umzulegen und ungünstiges Verhalten abzulegen. Oder ich kann zu der tieferen Motivation, den Ängsten, den einengenden Glaubenssätzen und Kindheitsschmerzen vordringen und diese nach und nach in Präsenz heilen.

 

Oft haben sich die Strategien, die das Kind von einst gefunden hat, um mit prekären Verhältnissen oder seelischen Herausforderungen klar zu kommen, dem Menschen so einverleibt, dass er nicht mehr in der Lage ist, intuitiv und angemessen auf neue Herausforderungen zu reagieren, sondern in den Modi von damals verbleibt, die sich wie Automatismen abspulen – ohne dass man normalerweise einen aktiven Zugriff auf diese Gefühls-, Denk- und Handlungsmuster hätte. In der achtsamen Begleitung durch die Gestalttherapie decken wir diese Automatismen auf, finden den Auslöser, und du gewinnst wieder den Zugriff auf die vermeintlich automatisch ablaufenden Kaskaden von Gedanken, Gefühlen und Handlungen.

 

Dies kann eines der bereicherndsten Ergebnisse einer gestalttherapeutischen Forschungsreise sein: durch die gestiegene Bewusstheit für das eigene Seelenleben einen Zuwachs an Handlungsmöglichkeiten, aber auch an Gefühlsreichtum und Gedankenklarheit zu gewinnen. 

 

Dieser Zuwachs an Zugangsmöglichkeiten zum menschlichen Potenzial ist nicht nur denjenigen, die sich in Krisen- oder Krankheitssituationen befinden, zu wünschen, sondern sollte allen Menschen selbstverständlich sein! Auf der Basis einer gestalttherapeutischen Erkundung der eigenen Seele ist es möglich, im alltäglichen Leben mehr Lebendigkeit, Zufriedenheit und Gelassenheit zu erfahren sowie Zugang zur eigenen Intuition zu gewinnen.

 

Sollten Phasen von Neuorientierung anstehen, sind Menschen aufgrund einer vorhergehenden gestalttherapeutischen Erkundung viel eher im Stande, ihr Leben den eigenen Bedürfnissen entsprechend neu zu gestalten. Die Offenheit für Veränderung wiederum ist eine wichtige Voraussetzung zu einem Leben in Sinnhaftigkeit und daraus resultierendem Glück. 

 

Literatur:
Arnold Beisser: Wozu brauche ich Flügel 

Bruon-Paul de Roeck: Gras unter meinen Füssen 

Erhard Doubrawa: Die Seele berühren 

Erhard Doubrawa, Stefan Blankertz: Einladung zur Gestalttherapie 

Leonard M. Shaw: Liebe und Vergebung